Der „Weerribben-Wieden-Pad“ führte uns wandernd durch den Nationalpark Weerribben-Wieden, die Region Stenwijk und das Ijsseldelta. Durch Tour-Erweiterungen an Beginn (wir starteten in Zwolle) und Ende (wir wanderten über Genemuiden und Kampen nach Elburg) sowie durch Sightseeing verlängerte sich die Tourlänge von offiziell 150 km auf 295 km in 14 Tagen: Übernachtungen im Zelt, Gepäcktransport im Pilgerwagen.

Unsere Tour war eine Mischung aus Flachlandwanderungen durch wundervolle Natur und zahlreichen Stadtbesichtigungen. Dabei überraschten die Ortschaften durch höchst unterschiedlichen Charakter: Historische Handseständte, alte Festungsorte und von Grachten durchzogene Wasserdörfer sorgen für Abwechselung. In unserem folgenden Bericht bieten wir einen Überblick über unsere Erlebnisse in den Städten und auf den verbindenden Wanderungen. Er besteht aus zwei Teilen:

  • Teil 1 informiert über den Weg und die dort lebenden Menschen, zu Übernachtungsmöglichkeiten und zur Eignung des Weges für Wanderanhänger. Dieser Teil endet mit einem Fazit.
  • Teil 2 enthält unser „Wandertagebuch“, das wir unterwegs führten und in sozialen Netzwerken veröffentlichten.

TEIL 1: INFORMATIONEN


Die Tour in Zahlen und Fakten

Tage: 14 | Personen: 2 | Distanz: 295 km | Höhenmeter: 600 m Anstieg, 600 m Abstieg * | Pilgerwagen-Gewicht: 25 – 32 kg | Übernachtungen: Zelt

* Im Internet fanden wir unterschiedlichste Angaben zu den Höhenmetern, unsere Werte weichen deutlich davon ab. Wir ermitteln diese mit einem GPS-Gerät mit barometrischem Höhenmesser. Ohne den Anspruch zu erheben, dass unsere Werte zutreffender sind, veröffentlichen wir diese, damit unsere Touren miteinander vergleichbar sind.

Der Weg

Der Weerribben-Wieden-Pad führt durch den gleichnamigen Nationalpark in der niederländischen Provinz Overijssel. Hier liegt die mit 90 km² größte westeuropäische Sumpflandschaft mit Seen, Moor- und Feuchtwiesen, Schilfgebieten sowie Sumpf- und Bruchwälder. Die heutige Landschaft entstand durch Torfabbau, künstlich angelegte Entwässerungsgräben und Eindeichung, wirkt aber beeindruckend urwüchsig. Sie bietet zahlreichen Arten Lebensraum, insbesondere Insekten und Vögeln, aber auch Ottern und Baummardern.

Der Pfad führt durch zahlreiche Orte, durch unsere eigenen Routenergänzungen konnten wir zusätzlich die Hansestädte Zwolle, Hasselt, Kampen und Elburg sowie die Teppichstadt Genemuiden besuchen. So entstand eine angenehme Mischung aus Naturerlebnissen und Sightseeing. Im Detail:

  • Noch bis zur Eindeichung zu Beginn des letzten Jahrhunderts reichte eine riesige Nordseebucht – die Zuiderzee – bis weit in die Region. Dies erklärt die teils maritime Prägung. Die alten Häfen und die Kanäle werden heute intensiv für Sportboottourismus genutzt. Den Anblick der unterschiedlichsten Boote fanden wir ebenso bereichernd wie den Austausch mit den Skippern.
  • Die Landschaft ist flach, beeindruckt mal mit Weite, oft begrenzen aber Schilfgürtel, Waldstreifen und Deiche die Sicht. Bei flüchtigem Blick wandert man durch einen Dschungel aus Grüntönen, bei genauerer Betrachtung bemerkt man die ständige Veränderung des Landschaftsbildes. Unzählige Kanäle zerteilen die Landschaft, Wasser füllt auch zahlreiche Teiche, kleinere und größere Seen. So wundert es nicht, dass man unterwegs ständig kleine Brücken überquert oder auch mal – preiswert oder kostenlos nutzbare – Fähren benutzt. Tipp: Unbedingt auch mal selbst aufs Wasser wechseln! Kanus und elektrisch betriebene „Flüsterboote“ sind an zahlreichen Stellen zu mieten. Alternativ vertraut man sich einem ortskundigen Bootsführer an, der unterwegs Lehrreiches berichtet.
  • Die Städte und Orte am Weg unterscheiden sich enorm. Die früher vom Handel geprägten Hansestädte punkten mit gut erhaltenen Altstädten: Geschützt von Grachten und Befestigungsanlagen findet man tolle Plätze und beeindruckende Fassaden. Gastronomie lädt zur Einkehr, in Zwolle und Kampen bieten zahlreiche Geschäfte Einkaufsmöglichkeiten. Bei gutem Wetter geht es hier mediterran-trubelig zu. Den Gegenentwurf bilden Wasserdörfer wie Dwarsgracht, Kalenberg und Belt-Schutsloos. Diese werden von einer Gracht mit daneben liegendem Fußweg durchschnitten, zu beide Seiten liegen reetgedeckte Häuser, oft mit fantastisch gepflegten Gärten sowie der Größe und Anmutung von Villen. Für Verbindung sorgen Brücken und Kähne. Einheimische und Touristen bewegen sich langsam und sprechen leise, es geht beschaulich zu. Zwischen diesen Extrempolen liegt Giethoorn: Ebenfalls ein Wasserdorf, aber größer und fest in der Hand – oft internationaler – Touristen.

Die Menschen

Die Einheimischen haben wir als entspannte, freundliche, aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen erlebt. In unserem Reisemonat Juni gab es schon einige Touristen, überwiegend Niederländer sowie einige Deutsche, ein großer Teil im Rentenalter. In der Hauptsaison (niederländische Schulferien) dürfte es auch mal voller werden: Der Nationalpark Weerribben-Wieden ist touristischer Hotspot, in dem auch die Niederländer gerne ihren Urlaub verbringen. Auf dem Boot, mit dem Fahrrad oder dem Caravan/ Wohnmobil.

Auf Rad-, Wander- und Schifffahrtswegen sowie auf Campingplätzen ist ein freundlicher Gruß obligatorisch, oft tauscht man auch einige Sätze oder einen Scherz aus. In Gastronomie, beim Einkaufen und auf Campingplätzen erfuhren wir oft weit mehr als professionelle Freundlichkeit. Selbst im touristischen Hotspot Giethoorn wurden wir von interessierten Einheimischen auf unsere Tour angesprochen und kamen ins Gespräch.

Übernachtungen

Die Campingplatzdichte im Nationpalpark Weerribben-Wieden ist enorm. An jedem Etappenziel hatten wir mindestens einen, oft mehrere Campingplätze zur Auswahl. Die Bandbreite reichte von kleinen oder mittelgroßen Campingplätzen auf Bauerhöfen oder im Garten von Privatpersonen bis zu größeren „normalen“ Campingplätzen. Alle Plätze boten saubere Sanitäranlagen – mal älter und einfacher, mal komfortabler. Die Plätze für Zelter sind oft direkt am Wasser.

Die kleinen Plätze werden meist mit viel Herzblut betrieben: Frische Blumen im Sanitärgebäude, eine persönliche Führung über den Platz inklusive Tipps zur Platzwahl, Hinweise zur Lage von Steckdosen, an denen wir unsere Smartphones laden können und ähnliche Erfahrungen haben uns begeistert. Auf größeren Plätzen geht der Trend zur Digitalisierung: Vorab ein Portrait hochladen, damit sich die Tür zum Schwimmbad öffnet? Prepaid-Karten für die Duschen, die per Smartphone mit Guthaben versorgt werden können? Check-In per Smartphone, ohne die Rezeption aufsuchen zu müssen? Willkommen im Jahr 2023…

Wie in Deutschland, schwanken die Preise von Platz zu Platz deutlich (über 100 % zwischen günstigstem und teuerstem Platz). Das Preisniveau empfanden wir als etwas günstiger als bei unseren Touren in Deutschland. Den aktuellen Campingboom spüren auch die niederländischen Campingplätze. Die von uns vorgenommenen Reservierungen, wären aber nicht nötig gewesen: Wir hätten mit unserem Trekkingzelt stets noch einen Platz bekommen. Achtung: Dies kann in der Hauptsaison anders aussehen.

Solltest du feste Unterkünfte vorziehen, bietet die Region ebenfalls Angebote. Zu Auswahl, Auslastung und Preisen können wir keine Einschätzung bieten. Einen Überblick über das Angebot findest du unter de.visitweerribbenwieden.com/.

Eignung für eine Wanderung mit Pilgerwagen

Der Weg ist zu über 90 % asphaltiert oder geschottert, der Rest besteht aus einfach zu gehenden Waldwegen, begrünten Deichen und Wiesenpfaden. Ein Großteil der Route führt über Radwege, die auch mal von Mopedfahrern und von elektrifizierten Rollstühlen genutzt werden. Die Radler sind in aller Regel umsichtig unterwegs, geben rechtzeitig Signal, wenn sie sich von hinten nähern. Man tut aber gut daran, selbst achtsam zu bleiben: Die Wege sind nicht immer breit genug, um nebeneinander zu wandern und von Radfahrern überholt zu werden. Auch ein spontaner Richtungswechsel, weil ein spannendes Fotomotiv lockt, kann gefährlich werden. Turbulenter geht es in Städten und an Kreisverkehren in Ortsnähe zu: Gefühlt ist das Rad noch vor dem Auto das häufigste Verkehrsmittel, daran sind wir Deutsche nicht gewohnt. Ein weiterer Teil der Route führt über wenig befahrene Nebenstraßen, die Autofahrer haben uns hier rücksichtsvoll passiert.

Anstiege gibt es nur in Form von kanalüberspannenden Brücken, nur selten muss man dabei einige wenige Stufen bewältigen. Der Weerribben-Wieden-Pad stellt Pilgerwagennutzer vor keinerlei nennenswerten Herausforderungen. Er ist somit hervorragend für eine Wanderung mit Pilgerwagen geeignet – insbesondere auch für Einsteiger.

Fazit

Der Weerribben-Wieden-Pad mit den von uns gewählten Erweiterungen ist eine Mischung aus Flachlandwanderungen, Naturerlebnissen und Stadtbesichtigungen. Für uns machten insbesondere die folgenden Punkte diese Tour zu einem besonderen Erlebnis:

  • Die Wegbeschaffenheit: Flache, überwiegend asphaltierte oder befestigte Wege erlauben auch mit Pilgerwagen komfortables Wandern.
  • Die Landschaft: Kanäle, Seen, Moor- und Feuchtwiesen, Schilfgebiete sowie Sumpf- und Bruchwälder formen im Nationalpark Weerribben-Wieden eine einzigartige Landschaft. Eine tolle Abwechselung zu den sonst üblichen Berg- und Waldwanderungen.
  • Die Städte und Orte: Nie zuvor haben wir auf so engem Raum so viele Städte und Orte mit so großen Unterschieden hinsichtlich Charakter, Flair und Architektur erleben dürfen. Abwechselung vom Feinsten, Überraschungen sind vorprogrammiert.
  • Die Schifffahrt: Die Kanäle, Seen und Flüße der Region werden intensiv von Freizeit-Skippern befahren. Die Bandbreite reicht von der kleinen Nussschale bis hin zu großen Kajütbooten, von der schnittigen Segelyacht bis hin zum Plattboden-Oldtimer.
  • Die Menschen: Freundliche Kontakte, Hilfsbereitschaft, Interesse an unserer Tour und die Bereitschaft auch eigene Reise- und Lebenserfahrungen zu teilen, haben unsere Tour bereichert.
  • Die Infrastruktur: Zahlreiche Möglichkeiten zu Einkauf und Einkehr sowie eine hohe Campingplatzdichte machen die Reise unkompliziert, komfortabel und genussvoll.

Du überlegst, den Nationalpark Weerribben-Wieden selbst zu besuchen? Egal ob wandernd, radelnd oder auf andere Art – wir können dies sehr empfehlen. Tipp: Die von uns gelaufenen Distanzen entstehen durch eine Wegeführung mit vielen Schleifen, die Orte im Nationalpark liegen recht dicht beeinander. Man kann die Region allerbestens von einer festen Unterkunft aus mit dem Rad erkunden.

TEIL 2: WANDERTAGEBUCH


Tag 1 – Anreise nach Zwolle, weiter Richtung Hasselt (14 km)

Verblüffend😲 Eine Bahnfahrt, erste Wanderschritte. Schon dreht sich unsere ganze Existenz (fast) nur noch um unseren Weg, tolle Begegnungen und Erlebnisse, um gute Schlafplätze und (genussvolle) Verpflegung. Um Dinge, die wir uns akiv suchen und erarbeiten müssen. Den Alltag und seine Sorgen rückt dies unwirklich fern😇

Kaum aus den Zug gestiegen, erkunden wir das mittelalterliche Zentrum der Hansestadt Zwolle. Historische Architektur trifft großstädtisches Treiben. Wir tauchen ein👀. Große Plätze, schmale Gassen, die sternförmig angelegte Stadtgracht. Prachtvolle Fassaden, Befestigungsanlagen, Kirchen – in einer entdecken wir einen mehrstöckigen Buchladen. Quirlige Einkaufsstraßen, das besinnliche Dominikaner-Kloster. Das berühmte, schon von außen beindruckende Museum de Foundatie mit Werken von van Gogh, Turner und Mondriaan.

Ein wenig Fear of missing out stellt sich ein, denn es gibt erheblich mehr zu entdecken, als wir mit unserer Reiseform genießen können. Unser bewährtes Gegenmittel ist die Einkehr😉. Kaffee, Kuchen und ein erstes Urlaubsbier versüßen das Reflektieren der Eindrücke🍰☕🍺 Wir bummeln weiter, gönnen uns noch eine groote Patat, sind erstaunt, als man uns riesige Portionen in die Hand drückt🍟

Wir wandern zu einem außerhalb liegenden Bauerncamping, direkt am Fluss Zwarte Water. Freundliche Gastgeber, eine Wiese, ein sauberes Sanitärgebäude, entspannte Mitcamper. Einfaches Camping vom Feinsten. Die ruhige Abendstimmung genießend, freuen wir uns lächelnd auf die erste Zeltnacht und die kommenden Reisetage🙂🥱😴

Tag 2 – Von Hasselt nach Sint Janskloster (24 km)

Mäh, Muh, Kikeriki😴 Unsere Wecker funktionieren zuverlässig😉 Beim Aufstehen vertreiben wir einen Gast, der vor unserem Zelt frühstückt. Sorry, Storch.

Bald erreichen wir den kleinen, aber feinen historischen Stadtkern der Hansestadt Hasselt. Zeit, es dem Storch gleich zu tun: ☕🍺, letzteres natürlich so früh noch alkoholfrei😉

So gestärkt wechseln wir ins Joggingtempo. Kurze Pausen ergeben sich automatisch, wenn Fietser uns fragen, wohin und wie genau wir reisen. Der Ortskern von Zwartssluis ist anschließend schnell erkundet. Mehr Zeit lassen wir uns an der Gracht, allerdings sitzend☕🍺😉 Genießend beobachten wir die Bootsreisenden in ihren großen und kleinen, alten und neuen Schiffen👀

Weiter geht es im Joggingtempo nach Sint Janskloster. Dort bringt uns zunächst das Besucherzentrum die Natur des Nationalparks näher. Dann nähern wir uns einheimischen Spezialitäten☕🍰😉

Wieder übernachten wir auf einem Bauerncamping, wieder direkt am Wasser. Den Tag beenden wir besonders romantisch: Mit einer Bootsfahrt bei Vollmond🚤🥰💞❤

Tag 3 – Von Sint Janskloster nach Vollenhove (15 km)

Mäh, Quak, Zwitscher, Kuckuck und… ähhh… Hülülülü⁉ Wir stehen auf, um den Verursacher dieses technisch klingenden Geräusches zu ermitteln, das unseren Camping umkreist. Keine Drohne, sondern ein schnell fliegender Vogel, der dieses Geräusch beim Beschleunigen macht. Wir taufen ihn Hülülülü😉

Nach gesundheitlich schwierigen Monaten wählen wir die Tagesdistanzen defensiv. Dennoch fühlt es sich komisch an, nach nur 7 Lauf-Km den nächsten Campingplatz zu erreichen. „Was nun?“, frage ich, Richtung Pool schielend. „Wandern!“, schlägt meine Pilgerwagennomadin vor🙃 Wir brechen auf, erkunden die Umgebung, insbesondere die Altstadt von Vollenhove.

Dort öffne ich die Tür einer Kirche, spüre bohrende Blicke. Stehe direkt hinter einem mit weißem Tuch abgedeckten „Tisch“. Entschuldigend nickend, trete ich den Rückzug an. Als ich die Kirche anschließend von der anderen Seite betrete, stelle ich fest: Nicht Tisch, nicht Altar, sondern Sarg🥴 Ich verzichte auf die Kirchenbesichtigung, um nicht weiter zu stören…

In aller Ruhe besichtigen wir Vollenhove, nutzen die freie Zeit für lange Pausen. Und, ja, natürlich kehren wir nachmittags ein😉 Und abends😉 Am Ende ist auch dieser halbe Pausentag erlebnisreich geworden. Am Camping widmen wir uns Körper- und Materialpflege, verlieren früh, aber lächelnd, das Bewusstsein😴

Tag 4 – Von Vollenhove nach Dwarsgracht (19 km)

Körper und Material marschfertig machen. Treckermuseum (Lanz Bulldog) besichtigen. Erste Wandermeter absolvieren. Eine träge Kröte vom Fietspad retten. Auf Wochenmarkt einkaufen. Einen führerlos auf den Markt zurollenden Pkw im Teamwork bremsen. Puh, 10 Uhr, Zeit für Frühstück beim Bäcker☕🍰

Wir erhöhen die Geschwindigkeit auf Kalorienverbrennen 2.0: langsamer Jogtrab🏃‍♀️🏃‍♂️ Beobachten, wie gemähtes Reet mit kleinen Booten geliefert, zu Rollen geformt und mit einem Kran verladen wird. Es hat etwas enspannendes, anderen bei der Arbeit zuzusehen😉

Die nächste Gracht lässt sich nur per Fietspontje überqueren. Don’t pay the ferryman, until he get’s you to the other side? Keine Chance, Vorkasse ist angesagt! Am Ticketautomaten! Nur Kartenzahlung! Die Fährfahrt ist dennoch schön🤩

In Dwarsgracht wechseln wir auf Schleichfahrt. Das Dorf ist nur wenige hundert Meter lang, besteht aus einem Kanal, einem schmalen Fußweg und prächtigen, reetgedeckten Häusern. Die typische Wiedenflora wird ergänzt durch gepflegte Gärten, überall blüht es überreich. Vögel zwitschern, der Wind erzeugt mit Laub und Schilf ein Begleitrauschen. Gelegentlich gleitet mit sanftem Brummen ein offenenes Boot („Sloepje“) vorbei. Ein einzelnes Cafe am Dorfrand lädt mit seiner Terrasse zum Verweilen ein☕🍺🍰. Es wird viel geschaut, wenig gesprochen, an diesem von Natur und Menschen geschaffenen, sehr besonderen Ort😇

Unser Tagesziel ist ein unperfekter, aber dennoch charmanter Campingplatz. Da wir selbst unperfekt sind (und es dort Esel gibt), erliegen wir umgehend seinem Charme😉 Abends zieht es uns erneut nach Dwarsgracht. Uns lockt die Schönheit des Dorfes👀. Und die Speisekarte des Cafés🧅🌶🍟🥘🥗🍺😉

Tag 5 – Von Dwarsgracht nach Blokzijl (20 km)

Zwitscher, Quak, Iiiaaaaah🥱 Wir frühstücken mit den gestern ins Herz geschlossenen Eseln🙂

Wieder unterwegs, wechseln wir nach einigen Wandermetern in den Jogtrab🏃‍♀️🏃‍♂️ Während wir vor uns hintraben, passiert plötzlich… nichts! Die Natur fließt wie ein langsam laufender Film an uns vorbei. Mal weite Wiesen, mal schilfgesäumte Wasserflächen. Üppige Blütenstreifen an kleinen Hängen. Libellenschwärme. Unzählige Vogelarten, die meisten können wir nicht bestimmen. Nur Störche erkennen wir zuverlässig, ob unseres Alters ohne Sorgen bezüglich späterer Folgen😉

Zeit für die Mittagspause: Wer glaubt, wir ernähren uns ausschließlich von Kuchen, wird nun staunen: Es gibt Brot mit frischer Paprika. Lecker! Zum Nachtisch dann gevulde Koeken😉

Im Wandertempo nähern wir uns dem Tagesziel Blokzijl. Den Mittelpunkt des Ortes bildet ein Hafen für Sportboote, umgeben von alten Häusern und einigen Cafés. Wir kehren ein, genießen die Atmosphäre. Ein älterer Herr auf einer knallroten Honda Gold Wing passiert in Schrittgeschwindigkeit. Weiße Haare wehen im Wind, aus den Lautsprechern seiner Maschine tönt die Titelmelodie von „Knight Rider“😊 Wir erkunden mit diesem Ohrwurm die charmanten Gassen von Blokzijl, bis die Pilgerwagennomadin befiehlt: „Bring mich zum Camping, K.I.T.T!“😉

Jeder Camping hat einen anderen Charakter. Heute zelten wir auf „Golfrasen“, wir sind die einzigen Zelter. Hinter uns eine Reihe top gepflegter Mobilheime, direkt vor uns gleiten kleine Sloepjes und große Kajütboote vorbei. Jeder findet sein Freizeitglück anders, es wird interessiert geschaut, freundlich gegrüßt.

Tag 6 – Von Blokzijl nach Kalenberg (21 + 8 km)

Der wunderbare Guten-Morgen-Kaffee in bester Lage am Hafen von Blokzijl… entfällt mangels geöffneter Cafes. Am Wegesrand helfen niedliche Lämmer, Zicklein und Storchenkücken der Pilgerwagennomadin über das Koffeindefizit.

Nach 14 km mit viel Weite und 50 Shades of green erreichen wir Ossenzijl. In einem Cafe gibt es Koffein (doppelt) für die Dame und Hopfen (einfach) für den Herrn☕🍺. Von der Terrasse blicken wir direkt auf eine Hubbrücke, genießen die Passage zahlreicher Boote⛵🚤🛥🛶. Rush hour auf dem Wasser😉

Wir genießen einen naturnahen Pfad und erreichen nach 21 km unser Tagesziel Kalenberg. Auf einem wunderschönen Minicamping steht binnen Minuten unser Zelt, dann verwandeln wir uns in Kanu-Nomaden😉 Gut 8 km gleiten wir übers Wasser und bestaunen Natur, Boote und die für diesen Ort typischen, ebenso alten wie winzigen Häuschen. Diese sind noch bewohnt und top gepflegt, an fast allen wurden größere Häuser angeflanscht, über deren Preise wir lieber nicht spekulieren🤑

Als wir am Anleger eines Restaurants festmachen, heißt man uns herzlich willkommen, verweist aber auch auf die bereits geschlossene Küche. Wir genehmigen uns drei Kaltgetränke🍻. Langsam zum Camping zurückpaddelnd, werden wir emotional. Wir sind randvoll mit wunderschönen Eindrücken, empfinden tiefe Dankbarkeit, dass wir dies alles erleben dürfen. Den Abend rundet ein Top-Menü bei Chez Gaskocher ab: Paprika an Asia-Nudeln😉 Lecker!

Tag 7 – Von Kalenberg nach Oldemarkt (14 km)

Zwitscher, klapper🥱 Heute werden wir von einem Storch geweckt. Auf dem Weg zum Waschhaus beobachten wir eine Schwalbe bei der Morgentoilette🙂

Ein kurzer Wandertag steht an. Nur 10 km bis zum nächsten Camping, die durch besonders schöne Wegführung gefallen👀 Mit unserer Mischung aus Traben und Wandern sind wir schon um 11:30 Uhr am Ziel.

Wir übernachten wieder auf einem Bauerncamping, aber vieles ist hier besonders. Es werden (neben Campern;-) vor allem Wasserbüffel gehalten. Zusätzlich zur „Nutztierhaltung“ gibt es über 20 weitere Tierarten. Die Pilgerwagennomadin hat bei Tierhaltung ambivalente Gefühle, aber die Art der Haltung und der Zustand der Tiere beruhigen sie. So genießt sie den Kontakt zu Alpakas, Eseln, Schweinen, Straußen, Emus und weiteren Arten. Kein Wunder, dass wir heute viel Zeit auf dem Camping verbringen🙂

In Oldemarkt entdecken wir einen Bäcker mit fantastischer Auswahl: Zwei Stücke pro Person sind alternativlos☕🍰😉 Zurück zum Camping, Tiere bestaunen. Zurück nach Oldemarkt zum Abendessen. Zurück zum Camping, da Bettzeit😴

Zwei Learnings des Tages: Wasserbüffelkälber sind so verschmust wie Katzen! Wenn die Pilgerwagennomadin den ganzen Tag Tiere kuschelt, bleibt der Pilgerwagennomade etwas unterkuschelt😉

Tag 8 – Von Oldemarkt nach Paasloo (25 km)

Über 20 Tierarten erzeugen morgens ein akustisches Spektakel. Learning: Nicht der Flötenschlumpf, sondern der Pfau fängt an😉 Das Fohlen, das gestern maximal 2 Meter von Mamas Seite wich, galoppiert Runde um Runde um die Stute. Wir verabschieden uns von allen Tieren, erleben noch eine Schwarmattacke der Gänse auf ein Schwein. Die Pilgerwagennomadin bekommt Koffein, dann starten wir in den Tag🙂

Temperaturbedingt verzichten wir heute auf Jogtrab, belassen es beim Wandern. So erreichen wir zunächst die Dreiwegeschleuse, eine Art Weiche für Boote. Überrascht passieren wir einen kleinen Sandstrand am Kanal. Ein älterer Herr badet dort und lädt uns ein, es ihm gleich zu tun. Wir verzichten dankend angesichts der Strecke, die noch vor uns liegt.

Wenig später tun wir es statt dessen den Störchen gleich: Ein länger nicht gemähter Wiesenpfad zwingt uns zum Kniehebegang. Bald stellen wir fest, dass der Weg gesperrt ist, wir störcheln zurück und suchen ein Umleitung.

Wir rasten mangels Bank in einer Feldeinfahrt für Traktoren. Was vom Weg wie eine Notlösung ausah, entpuppt sich sitzend, Brot und Paprika knabbernd, als romantisches Plätzchen mit toller Aussicht. Sogar ein kurzes Schläfchen gönnen wir uns😴

Obwohl wir noch 8 km vor uns haben, erreichen wir nach 13 km den Camping für die nächste Nacht: Unsere Route macht viele Schleifen. In nur 20 Minuten richten wir uns ein, setzen die Wanderung fort. Bald lockt uns ein Terrassen-Cafe mit Springbrunnen zur erneuten Rast☕🍺

Nach insgesamt 21 km sind wir zurück am wirklich schönen, von einer älteren Dame liebevoll betriebenen Minicamping. Wir sind gerade 1,5 km Fußweg vom letzten Camping entfernt🥴 Erwähnten wir schon, dass unsere Route viele Schleifen macht? So schauen wir noch einmal bei den ins Herz geschlossenen Tieren vorbei, essen im gleichen Restaurant wie gestern zu Abend.

Tag 9 – Von Paasloo nach De Bult (26 km)

Zwitscher! Welch eine dezente Geräuschkulisse im Vergleich zu gestern😉 Als wir um 7 Uhr aufstehen, brutzelt die Sonne bereits kräftig. Wird heute ein schönes Stück Arbeit, bei 30 Grad im Schatten in einer baumarmen Gegend. Wir nehmen 2 Liter Wasser mehr mit, starten in den Tag.

Die Tour beginnt reizarm, führt über Nebenstraßen, wir fürchten einen zähen Tag. Dann ändert sich der Charakter des Weges: Wir wandern über Naturpfade, die mal durch eine Heidelandschaft, überraschend oft auch durch kleine Wälder führen. Wir genießen die Abwechslung ebenso wie den Schatten.

Nach 10 km erste Rast: Bank im Schatten, Brot, Paprika, Weintrauben und kühles Wasser😇

Wir erreichen die Burg „Olt Stoutenburght“. Diese ist das Lebenswerk eines Niederländers, der seit den 1990er Jahren daran baut. Die Burg ist überraschend groß, eine Mischung aus Burg, Schloss, Kunst, Kitsch sowie enorm viel Fantasie, Arbeit und sicher auch Geld. Beeindruckt sinnieren wir darüber, wie viele Menschen im Leben eine (scheinbar) sinnfreie Aufgabe mit großem Einsatz verfolgen, statt sich in ihrer Freizeit auszuruhen. Zum Beispiel eine Burg bauen… oder mit Anhänger und Zelt durch die Welt wandern😉

Direkt neben der Burg pausieren wir an einem „Rustpunt“. Solche privat betriebenen Rastplätze findet man hier häufig. Man bedient sich selbst und zahlt per Vertrauenskasse. Jeder Rustpunt hat andere Angebote, aber Kaffee, Tee und kalte Getränke gibt es fast immer. Oft auch Eis, Kuchen oder Kekse🙂

Wenige KM weiter richte ich einige Gurte am Pilgerwagen, als mich etwas am Kopf trifft und auch unsere Tasche erwischt. Von dort spritzt es mir an die Beine. Den ersten Schrecken überwindend, begreife ich: Vogelkot💩! In absurd großer Menge! Als ich noch schweigend um Fassung ringe, trainiert die Pilgerwagennomadin bereits eifrig ihre Lachmuskeln 😂 Während der Reiningungsarbeiten spekulieren wir über mögliche Verursacher, halten unsere Favoriten (Seeadler, Kondor) aber für unwahrscheinlich😉 Können Kühe eigentlich auf Bäume klettern?😉

Zu abend essen wir in einem Restaurant direkt am Camping. Die junge Kellnerin hat eine deutsche Uroma. Wir unterhalten uns in einem Mix aus Niederländisch und Deutsch mit hessischem Akzent😉

Tag 10 – Von De Bult nach Giethoorn (29 km)

Zwitscher, ächz! Das Zwitscher von draußen, das Ächzen im Inneren des Zelts😉 30 km bei 30 Grad sorgen für „Vorfreude“, da schon um 7 Uhr die Sonne vom Himmel schmettert🌞

Wir starten auf wurzeldurchsetzten, schattigen Waldwegen. Sogar kleine Anstiege müssen wir erklimmen, bis wir die alte Festungsstadt Steenwijk erreichen. Hier erkunden wir die Altstadt, die Befestigungsanlangen und die „groote Kerk“. Dann kühlen wir uns in einem klimatisierten Supermarkt ab, bevor wir getrennte Wege gehen.

Die Pilgerwagennomadin braucht hitzebedingt einen verkürzten Wandertag, bummelt weiter durch Steenwijk und nimmt dann den Bus. Ich halte an der geplanten Etappe fest. So erkunde ich zunächst den wunderschönen Park der Villa Rahms Woerthe, wandere dann weiter Richtung Giethoorn. Die Route führt mich über zwei längere „Zandwege“, Pfade mit tiefem, mehlartigen Sand. Hier komme ich so zäh voran, dass ich mehrfach prüfe, ob der Pilgerwagen nicht auf dem Kopf steht: Tasche im Sand, Räder in der Luft😉

Giethoorn ist speziell. Ein von schmalen Grachten durchzogenes Dorf, an den Kanälen liegen wunderschöne alte Häuser. Eine Vielzahl kleiner Holzbrücken sorgt für Verbindung. Eine Augenweide! Dies wissen nicht nur wir, sondern hunderte Touristen aus der ganzen Welt zu schätzen. Entsprechend trubelig geht es sowohl auf den Wegen als auch den Grachten zu, wo sich Mietboot an Ausflugsboot reiht. Das gastronomische Angebot ist entsprechend umfangreich und hochpreisig. Wir genießen Giethoorn dennoch lächelnd, weil wir wissen, dass wir morgen ein ähnliches, noch nicht vom overtourism betroffenes Dorf erkunden werden. Heute sind wir Teil des Treibens, übernachten auf einem überraschend ruhigen Campingplatz direkt in Giethoorn😴

Tag 11 – Von Giethoorn nach Wanneperveen (22 km)

Zwitscher, Quak, Mäh🙂 So angenehm geweckt, bummeln wir früh am Morgen durch Giethoorn. Nur zwei Touristen nerven die Enten beim Nickerchen: Wir😉 So erleben wir den ursprünglichen Charme des Dorfes und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Wir sprechen über unsere Tour und wie es ist, täglich Touristen aus aller Welt zu Gast zu haben: Oft spannend, manchmal nervig🙃 Erst das letzte Café vor dem Ortsausgang hat bereits geöffnet, es gibt Koffein😇

Der heutige Tag führt uns überwiegend über Naturpfade durch wunderschöne Feuchtgebiete. Wir genießen immer wieder neue Aussichten und merken kaum, wie wir Kilometer um Kilometer zurücklegen, nur von kurzen Pausen unterbrochen. Ob der vielen Vögel richte ich gelegentlich einen kritischen Blick nach oben, bleibe aber verschont😎

Auch heute engagiert sich die Pilgerwagennomadin wieder als Krötenretterin: Zunächst hebt sie ein mittelgroßes Exemplar vom Weg. Dann entdeckt sie hunderte, nur milimetergroße Kröten auf dem Pfad. Diese verscheucht sie im Entengang, bevor ich im Krötentempo passieren darf. Ein richtig schöner Wandertag😇

Fast überrascht stellen wir nach 21 km fest: Wir sind schon am Camping😲 Schnell steht unser Zelt und wir prüfen die gastronomischen Optionen für den Abend. Es gibt diverse Restaurants in der Nähe, alle haben aber den Dienstag als Ruhetag auserkoren. Zum Glück gibt es einen Imbisswagen, zu dem ich die Pilgerwagennomadin groß ausführe. Erstmals ins diesem Urlaub fühlen wir uns beim Restaurantbesuch nicht underdressed🙃

Tag 12 – Von Wanneperveen nach Genemuiden (17 km)

Guguuuguck, Guguuuguck🕊🙂 Heute erwachen wir neben dem Wohnmobil eines jungen Pärchens, dass die Elternzeit reisend verbringt. Dem wenige Monate alten Kind gefällt diese Idee sichtlich gut🙂

Der Start in den Tag ist super. Erst durchqueren wir die Belterwijde auf einem schmalen Damm. Auf den Wasserflächen suchen zahlreiche Schwäne im Gleichtakt nach Frühstück und präsentieren uns ihre Kehrseite: „Synchronbürzeln“😉

Wir erreichen das Wasserdorf Belt-Schutsloot. Eine Gracht mit Booten und Kähnen, ein schmaler Pfad daneben und schmucke, meist reetgedeckte Häuser mit üppig blühenden Gärten👀 Koffein bekommen wir leider nicht, finden am Ortsrand aber einen schattigen Platz für ein (zweites) Frühstück 🌶🍞

Plötzlich kommt uns ein Mofa entgegen. Eine alte, top gepflegte Zündapp. Wir wundern uns, dass der Fahrer Warnweste und Headset trägt. Die Erklärung: Es folgt ein Korso mit gut 200 alten Mofas und Mopeds😲 Ein rollendes Museum, überwiegend Zündapps, Kreidler und Hercules, alle sehr gut in Schuss. Oft besser in Schuss als die reifen Pilotinnen und Piloten, die sich über unsere Begeisterung sichtlich freuen😉 Einige Minuten wird fleißig gewunken👋

Wir erreichen Zwartsluis, den Ort haben wir schon am 2. Tag besucht. Durch den Ort eilen Grüppchen von Kindern. Zudem flanieren ein „Catweazle“, eine Dame mit Kittelschürze und grüner Perücke sowie ähnliche Gestalten durch den Ort. Nach und nach erschließt sich uns, dass eine Art Schnitzeljagd gespielt wird, bei der die Kinder von den merkwürdigen Gestalten Bausteine zur Lösung erhalten. Für mich irritierend, für die Pilgerwagennomadin belustigend: Zahlreiche Kinder halten mich offensichtlich für einen der merkwürdigen Mitspieler. Immer wieder werde ich angesprochen und erkläre mit meinem begrenzten Niederländisch, dass ich weder Zettel noch Karten für sie habe und auch nicht „der Fuchs“ bin😂 Witzigerweise sorgt mein Gestammel und die lachende Pilgerwagennomadin dafür, dass einige Kinder annehmen, dass ich allem Leugnen zum Trotz doch der Fuchs bin😂

Nach diesem Trubel bin ich froh, dass wir bald unseren Campingplatz erreichen. Heute wieder einen Minicamping, bei dem die Betreiber mit viel Herzblut die nicht ganz perfekte Lage ausgleichen. Wir fühlen uns wohl, brechen zum Abendessen dennoch nach Genemuiden auf. Den Weg, die Einkehr und die erforderlichen Fährfahrten nutzt die Pilgerwagennomadin für kichernd eingestreute „Bent u de vos, meneer?“…😉

Tag 13 – Von Genemuiden nach Kampen (24 km)

Zwitscher, „Bin kurz weg!“!? Als ich richtig wach bin, frag ich mich, wohin es die Pilgerwagennomadin so früh am morgen zieht. Des Rätsels Lösung: Zwei Kopje Koffie bei der Campingplatzbetreiberin☕

Erneut nehmen wir die Fähre nach Genemuiden. Die Pilgerwagennomadin schlägt eine Tempoverschärfung auf Jogtrab vor, das Koffein wirkt🏃🚀 Schon nach 1,5 km werden wir eingebremst. Der befestigte Weg endet auf einer Deichkrone. Schafgatter links, Schafgatter rechts, beide verschlossen.

Wir heben Tasche und Pilgerwagen nacheinander über das Gatter, klettern (mehr oder weniger) geschmeidig hinterher. Was nun kommt, kennen wir schon von der letztjährigen Elfstedetocht: Schafsköttel halbwegs umfahren, Gatter überklettern, bei Schafen für die Störung entschuldigen, in sich wiederholender Abfolge🙃

Ein besonders mutiges Schaf folgt uns geraume Zeit, entfernt sich weit von der Herde. Wir bleiben stehen, es nähert sich vorsichtig bis auf 50 cm. Die Pilgerwagennomadin hofft auf eine Streicheleinheit. Vielleicht liegt es am olfaktorischen Eindruck nach 13 Wandertagen, aber letztlich stuft uns das Schaf als nicht vertrauenswürdig ein. Es flüchtet im wilden Galopp Richtung Herde, mäht dabei panisch, der Schwanz kreist wie ein Propeller🐑😂

Nach 16 km am Camping kurz das Zelt aufgebaut, weiter geht es in die alte Hansestadt Kampen. Sehenswürdigkeiten satt: Eine tolle Hubbrücke über die Ijssel, die Ijsselpromenade mit Cafes und historischen Segelboten, die längste Einkaufsstraße der Niederlande mit Geschäften und Gastronomie, gespickt mit tollen Fassaden, zahlreichen Kirchen und Stadttoren👀. Wir wechseln stetig zwischen Bummeln und Einkehr. Beenden den Tag in Kampen in einem indischen Restaurant, schleppen uns erschöpft zurück zum Camping. Eine schnelle Dusche, ab ins Zelt, kuschelnd verlieren wir das Bewusstsein😴

Tag 14 – Von Kampen nach Elburg (29 km)

Rödel, klapper, flüster. Ein neben uns zeltendes, älteres Paar auf Fietstocht bricht noch etwas früher auf als wir. Wir tauschen einpackend Reiseerlebnisse aus🙂

Es geht noch einmal durch die historische Altstadt von Kampen. Wir kehren zum Frühstück ein🍩🍪🍰☕ Eine alte Dame erkennt uns als Wanderer, berichtet von ihrem Jakobsweg. Dieser liegt augenscheinlich Jahrzehnte zurück, sie schildert bewegt und bewegend einige Erlebnisse. Spricht von „bleibenden Erinnerungen“ und sieht, dass wir verstehen…

So inspiriert nehmen wir die verbleibenden 20 km in Angriff. Erst geht es wie gewohnt entlang eines Schifffahrtsweges, dann durch ein schmales, aber sehr langes Waldgebiet. Schließlich erreichen wir die alte Festungsstadt Elburg. Kurzerhand erklären wir das alte Vispoort (Fischtor) zu unserem Zielbogen, kehren direkt neben an auf ein Zielbier ein. Nach dem dritten Zielbier bestellen wir sicherheitshalber ein frühes Abendessen🍟🍔🥗🍻

Wir besichtigen die Altstadt von Elburg mit den Befestigungsanlagen, den Mauerhäuschen und den teilweise von früherem Reichtum kündenden Gebäuden. Dann ziehen wir weiter zum letzten Camping unserer Tour. Es ist ein besonders naturnaher Platz, der besondere Menschen anzieht. Wir fühlen uns wohl😉

Dies war unser letzter voller Wandertag. Morgen steht nur ein kurzes Stück sowie die Heimreise mit der Bahn an. Wie immer stellen sich gegen Tourende gemischte Gefühle ein. Dankbarkeit, dass wir die Reise gesund zuende bringen konnten und unzählige schöne Erlebnisse hatten. Wehmut, dass die Reisezeit nun endet, der Alltag wiederkehrt. Sehnsucht nach Zuhause und den dortigen Segnungen der Zivilisation, insbesondere nach unseren beiden Katern sowie nach Luxusgütern wie eine Badewanne und ein Bett😉 Vorfreude auf die nächste Tour…