Auf dieser Wanderung erkundete ich den Albschäferweg, Start und Ziel in Heidenheim an der Brenz. Ergänzt habe ich noch einen Bonus-Tag mit der Erkundung von Ulm, von Heidenheim nach Ulm reiste ich mit dem Zug. Bei meiner Tourplanung setzte ich diesmal andere Schwerpunkte als bei den letzten Touren: Ich plante nur wenig Zeit für Besichtigungen ein, dafür mehr Zeit in der Natur. Die Naturzeit füllte ich teilweise mit etwas größeren Tagesdistanzen, teilweise gönnte ich mir einfach Zeit für Pausen. Wie üblich, habe ich im Zelt übernachtet und mein Gepäck mit dem Pilgerwagen transportiert. Der Albschäferweg hat eine geringe Camping- und Zeltplatzdichte, so dass Recherche und Nutzung von alternativen Zelt-Möglichkeiten der Tour einen besonderen Reiz gaben.
Welche Eindrücke ich sammelte, zeigt der folgende Bericht. Er besteht aus zwei Teilen:
- Teil 1: Ich beginne mit Informationen zur Region und zu den Menschen, zu Übernachtungsmöglichkeiten und zur Eignung des Weges für Wanderanhänger. Wie üblich, endet dieser Teil mit einem Fazit.
- Teil 2: Es folgt mein „Wandertagebuch“, das ich tourbegleitend in sozialen Netzwerken veröffentlichte.
Die Tour in Zahlen und Fakten
Tage: 9 | Personen: 1 | Distanz: 192 km | Höhenmeter: 3.650 m Anstieg, 3.650 m Abstieg | Pilgerwagen-Gewicht: 21 – 27 kg | Übernachtungen: Zelt
* Im Internet fanden wir unterschiedlichste Angaben zu den Höhenmetern, unsere Werte weichen deutlich davon ab. Wir ermitteln diese mit einem GPS-Gerät mit barometrischem Höhenmesser. Ohne den Anspruch zu erheben, dass unsere Werte zutreffender sind, veröffentlichen wir diese, damit unsere Touren miteinander vergleichbar sind.
Die Region
Der Albschäferweg führt durch die Heidenheimer Brenzregion, die im nordöstlichen Teil der 220 km langen und bis zu 40 km breiten schwäbischen Alb liegt. Die Route führt durch eine hügelige, abwechslungsreiche und entsprechend reizvolle Landschaft. Gelegentlich durchquert man Ortschaften, von Heidenheim abgesehen eher dörflich oder kleinstädtisch geprägt. Zahlreiche weitere Orte werden mit etwas Abstand passiert, hier kann man entscheiden, ob man einige davon besucht, beispielsweise um die Infrastruktur zu nutzen. So kann man als Wanderer selbst dosieren, ob man dem naturorientierten Weg eine Prise mehr Zivilisation geben möchte.
Die Wegeführung durch ländlichen Raum macht die Natur zur wichtigsten Sehenswürdigkeit. Wer dennoch etwas mehr klassische Sehenswürdigkeiten wünscht, wird z. B. in der Charlottenhöhle, in Burg Katzenstein und in der Abtei Neresheim glücklich.
Trotz des ländlichen Raumes, findet man in vielen Ort gastronomische Angebote (das ist inzwischen in Norddeutschland leider anders): Gasthöfe, Bäckereien, auch einige klassische Cafés und Imbisse. Meistens gibt es regionale Küche, ergänzt um die üblichen Klassiker. In Imbissen wird es internationaler. Das Preisniveau ist normal.
Die Menschen
Wie in den meisten ländlichen Regionen Deutschlands, habe ich die Menschen als freundlich, hilfsbereit und interessiert erlebt. Dies gilt nicht nur für Inhaber und Mitarbeiter von Campingplätzen, Gasthöfen, Cafés, Bäckereien und Supermärkten. In Wanderwegen, in Dörfern und Gasthäusern hatte ich diesmal besonders viele Kontakte, dabei musste ich nicht selbst aktiv werden, die Initiative kam meistens von Einheimischen: Diese haben in der Region ein besonderes Geschick darin, non-verbal ein Gesprächsangebot zu senden, zu schauen, ob die Einladung willkommen ist und dann freundlich, aber unaufdringlich das Gespräch zu beginnen. Sehr angenehm!
Bei der Gelegenheit ein Gedanke, ganz unabhängig von der diesmal bewanderten Region: Es ist erstaunlich, wie gut man auf solchen Touren minimale Mentalitätsunterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Regionen erspüren kann. Und noch erstaunlicher: Auch Dörfer und Orte haben eine Ausstrahlung, selbst wenn zu manchen Zeiten kaum Menschen unterwegs sind. Viele strahlen z. B. Entspanntheit, Gemütlichkeit oder Freundlichkeit aus, vermitteln eine Wohlfühlatmosphäre. Einige wenige Orte vermitteln auch Ablehnung, Verfall oder Traurigkeit. All diese Eindrücke sind wichtiger Teil unserer Wandererlebnisse.
Übernachtungen
Unmittelbar am Albschäferweg gibt es nur zwei offizielle Camping- oder Zeltplätze: Den Mini-Campingplatz in Königsbronn sowie die Zeltwiese an der Charlottenhöhle. Beide Übernachtungsmöglichkeiten sind ruhig, günstig und etwas speziell, passen deshalb perfekt zum Charakter einer solchen Wanderung. Meinen letzten Tourtag habe ich für einen Abstecher nach Ulm genutzt, dort bieten die Kanu-Clubs an der Donau tolle Zeltmöglichkeiten an, auf denen ich spannende Gespräche mit Radtouristen hatte.
Für alle anderen Nächte gilt, dass man eine alternative Zeltmöglichkeit akquirieren muss: Vor der Tour per Online-Recherche oder eben unterwegs vor Ort. Entlang des Albschäferweges gibt es dafür eine Vielzahl an Möglichkeiten wie z. B. Sportanlagen, Sportflughäfen, landwirtschaftliche Betriebe und Anbieter von Ferienwohnungen mit Garten. Auch ein Blick in die einschlägigen Portale (1nitetent usw.) lohnt sich sehr. Ich konnte sehr unterschiedliche Zeltmöglichkeiten nutzen, die der Tour einen besonderen Reiz gaben.
Wer Wildcamping bevorzugt und die diesbzgl. Gesetzeslage ignoriert, wird am Albschäferweg gute Möglichkeiten finden, sein Zelt verborgen und außerhalb von Naturschutzgebieten mit hoher Schutzstufe aufzubauen.
Eignung für eine Wanderung mit Pilgerwagen
Du suchst eine profilierte Wanderung, deren An- und Abstiege dich nicht überfordern? Du suchst technisch einfache Wege, willst aber nicht ständig über asphaltierte Radwege laufen, sondern auch Wiesenpfade und waldige Single-Trails genießen? Dann ist der Albschäferweg ideal für dich! Die Region ist durchaus hügelig, die Wegeplaner haben die Route aber so gelegt, dass längere oder steilere Anstiege eine Ausnahme sind. Der Untergrund wechselt ständig: Bestens gepflegte, fein geschotterte Wege für Radfahrer und Fußgänger, Wiesenpfade, waldige Single Trails und Asphalt. Außerhalb der Dörfer begegnet man anderen Menschen nur sporadisch, was einen besonderen Naturgenuss ermöglicht, ohne sich fernab der Zivilisation zu fühlen.
Diesmal brachte mich eine Etappe an meine Grenze. Das lag aber nicht am Weg, sondern an einer von mir gewählten Tagesdistanz, die nicht zu meiner Kondition und zur extremen Hitze an diesem Tag passte. Der Weg ist bestens ausgeschildert, einige Schilder weisen nicht nur die Richtung, sondern bieten auch ergänzende Infos (siehe Foto). An einigen Stellen gibt es Alternativwege: Einen kürzeren, aber technisch oder konditionell etwas anspruchvolleren Weg, und einen bequemen, aber etwas längeren Weg. Toll!
Insgesamt ist der Albschäferweg perfekt für Einsteiger und fortgeschrittene Pilgerwagen-Wanderer. Viele Wegeabschnitte bieten ein bewusst spürbares Wandervergnügen, das mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Fazit
Meine Wanderung über den Albschäferweg überzeugte vor allem mit abwechslungsreicher Wegeführung durch eine schöne Landschaft und die Menschen der Region. Für mich machten insbesondere die folgenden Punkte diese Tour zu einem besonderen Erlebnis:
- Die Wegbeschaffenheit: Leicht profiliert, keine zu langen oder zu steilen Anstiege. Kaum technische Herausforderungen, dennoch abwechslungsreiche Untergründe und Wege. Unkompliziertes Anhängerwandern vom Feinsten.
- Die Landschaft: Hügelig, viel Wald, weite Wiesen und Felder sowie Heidelandschaft. Die Brenz als Namensgeber der Region. Einige Höhlen und Felsen. Toll!
- Die Städte und Orte: Von Heidenheim abgesehen, erwarten den Wanderer eher Dörfer, die aber Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten bieten. Wer städtisches Sightseeing sucht, ist woanders besser aufgehoben. Wer sein Naturerlebnis nicht von Städten unterbrechen lassen möchte, ist genau richtig.
- Die Sehenswürdigkeiten: Hier ist die Natur die große Sehenswürdigkeiten. Die Besichtigung von Charlottenhöhle, Burg Katzenstein und Abtei Neresheim habe ich aber auch sehr genossen.
- Die Kulinarik: Ich habe in allen Restaurants gut gegessen, zweimal sehr gut. Überwiegend regionale Küche zur normalen Preisen.
- Die Menschen: Hier kommt man oft und entspannt mit freundlichen und interessierten Einheimischen ins Gespräch.
- Die Infrastruktur: Nicht immer direkt am Weg, aber doch gut erreichbar, gibt es Restaurants, Supermärkte und weitere Geschäfte. Die Campingplatzdichte ist dünn, aber – mit etwas Recherche – findet man alternative Zeltmöglichkeiten, die die Tour bereichern.
TEIL 2: WANDERTAGEBUCH
Tag 1 – Anreise nach Heidenheim, wandern nach Königsbronn (16 km, 260 HM+-):
Die größte Herausforderung am ersten Tourtag ist oft die Anreise! Diesmal mit vier Zügen🚂: Alle so verspätet, dass ich meinen jeweiligen Anschluss verpasse😵💫. Satte 9 statt der geplanten 6 Stunden dauert die Fahrt nach Heidenheim an der Brenz 🫢 Kurz vor der Ankunft werde ich in Versuchung geführt: Der Zug hält in Königsbronn, meinem heutigen Wanderziel😅 Ich bin charakterstark und steige nicht aus💪
Mein Geist ist müde, mein Körper träge. Direkt nach der Anreise wandern? Wer hat das denn so geplant?😉 Jammern hilft nicht! Aber vielleicht eine erneute Versuchung in Form von Kuchen? Meine Charakterstärke reicht nicht, um erneut zu widerstehen🍰😉 Frisch gestärkt wandere ich los. Sightseeing am Startort spare ich mir, denn in einer guten Woche wird Heidenheim auch der Zielort meiner Tour sein.
Sanft profiliert geht es über Wald- und Wiesenpfade. Am Wegesrand blüht es bunt, Schmetterlinge flattern, es riecht nach frisch gemachtem Holz. Der Anreisestress ist vergessen🙂 Kurz vor dem Tagesziel passiere ich einen Biergarten am Itzelberger See… ok, ich passiere nicht, sondern kehre ein🍨🍺. Vergiss das mit der Charakterstärke😉
Weiter geht es: In Königsbronn Zelt aufbauen, Sehenswürdigkeiten besichtigen, insbesondere den Brenztopf, die Quelle der Brenz. Einkehr zum Abendessen. Zurück zum Camping. Im Gebäude gegenüber, einer alten Schmiede, ist nun eine Hausbrauerei, betrieben vom örtlichen Kulturverein. Gerade heute ist dort Verkostung mit Live-Musik🍻 Zurück im Zelt, schlafe ich beim Gedanken ein: Wie können so viele Erlebnisse in einen Tag passen?😴
Tag 2 – Von Königsbronn nach Küpfendorf (31 km, 900 Hm+, 800 HM-):
35 km habe ich geplant. Und das bei Temperaturen von 30 Grad. Schon der 1. km schenkt mir 100 Höhenmeter. Schweißgebadet kommen mir Zweifel. Aber es folgt leicht profiliertes Gelände, von Bäumen beschattet. Zweifel? Welche Zweifel?🙂
Nach 11 km verwöhnt mich das Felsenmeer. Große und kleine Felsen, teils mit Moos und Bäumen bewachsen, liegen verstreut im freien Gelände. Ich pausiere im Schatten eines Felsens. Herrlich! Nun gleitet der Weg durch das waldige Wental🙂 15 km sind geschafft! Wer hatte den Zweifel?😄
Es geht bergauf, schattig, dennoch bin ich schweißgebadet. Ich erreiche ein weites Plateau, endlich flach🙂 Statt Wald nun Wiesen und Felder. Die Sonne brennt, die Zweifel sind zurück🥵
Nun folgt ein Anstieg in voller Sonne. Ich schleiche voran, muss ständig pausieren. Die Zweifel werden größer. Endlich oben😇 Doch es geht erneut bergauf. Noch steiler, noch länger, wieder in voller Sonne. Mehrfach liege ich keuchend im Schatten kleiner Büsche. Nun zweifle ich, ob ich es auch nur bis zum Gasthof am Ende des Berges schaffe. Doch ich komme an, überlege, den Tag dort zu beenden. Ein Stück Kuchen und ein Bier später, traue ich mir den Weg zum nächsten Gasthof zu🍰🍺💪
Sanft bergab geht es weiter, ich lobe mich für meine Entscheidung. Es wird steiler, nicht schlimm. Leicht bergauf geht es weiter, wäre ich doch nur sitzen geblieben. Plötzlich stehe ich vor einem Steilhang. Schaffe es mit Pausen bis zur Hälfte, dann rutsche ich ab😬
Hähähäääää! Ertönt da Gelächter? Määääähhh! Eine Schafherde zieht vorbei. Inklusive Albschäfer😵💫 Ich liege am Hang, der Schäfer guckt irritiert🫠 Tasche und Pilgerwagen wuchte ich nun lieber getrennt nach oben🥲 Im Gasthof verschlinge ich hungrig mein Essen, trinke ein Bier🍺 Zum vereinbarten Zeltplatz schaffe ich es nicht mehr🫢 Ein neuer Plan muss her. Das geht am besten mit einem zweiten Bier🍺😉
Tag 3 – Von Küpfendorf nach Heldenfingen (26 km, 320 HM+, 380
HM-):
Früh starte ich in den Tag. Schattig geht es über Waldwege und schmale Pfade. Trotz der frühen Stunde sind Spaziergänger und Radler unterwegs, mehrfach komme ich ins Gespräch🙂
Vor Gerstetten öffnet sich die Landschaft, die Sonne brennt🌞 An einer Tankstelle tanke ich kalte Cola und Eis. Wenig später gibt es Waldfrüchte. In Zuckerguss. Auf Teig. In einer klimatisierten Bäckerei😉🍰 Und weil Obst gesund ist, esse ich auch noch die 5-Frucht-Schnitte🍰 Als ich die Bäckerei verlasse, knistern 2 gut gefüllte Papertüten🥨🍰
Wieder röstet mich die Sonne. Aber die Wege sind flach und bieten Abwechselung. So passiere ich einen Skihang mit Lift! Ich scheitere am Versuch mir vorzustellen, dass hier bald wieder Menschen Ski fahren☀️❄️☃️ Der Weg folgt einer Langlaufloipe durch ein langgezogenes Tal. Ich genieße die Landschaft, während eine innere Stimme „Wo ist Behle?“ ruft (Insider für Sportfans)😉
Eine Bank im Schatten eines Baumes verlockt zur Rast. Papertüten knistern im Pilgerwagen🥨, kühlender Wind rauscht durch das Blätterdach. Ein Schild verrät, dass vor mir der „Südhang“ liegt. Ich denke an Weinstöcke, weiß aber auch den dort wachsenden Magerrasen zu schätzen. Also optisch, Hunger habe ich gerade nicht😉
Wieder geht es durch ein langes Tal. Nach einem Aufstieg marschiere ich eine Etage höher, garniert mit schönen Aussichten🙂 Zu früh erreiche ich Heldenfingen, der eingeplante Gasthof öffnet erst um 17 Uhr. Aber am Dorfrand gibt es einen hübschen Teich mit schattiger Bank😊
Die Speisewahl im Gasthof fällt leicht: Ich nehme eine lokale Spezialität, deren Name mit „XXL“ beginnt😁 Die Getränke werden mit Deckeln mit Tierfiguren serviert. Ich habe einen Eisbären🙂 Es ist gemütlich, die Leute sind freundlich, das Essen lecker. Ein Paradies gepflegter Gastlichkeit😇 Übersatt rolle ich zum Zeltplatz😴
Tag 4 – Von Heldenfingen nach Giengen-Hürben (16 km, 190 HM+, 260 HM-):
Viele Highlights, wenig Kilometer🙂 Nach einer ruhigen Nacht knistert eine letzte Papiertüte: Kuchenfrühstück, wenn auch etwas knapp🥯
Nach einer Wanderstunde bestaune ich das Kloster Anhausen. Ein grobe Schnitzerei am Wegesrand erweckt meine Aufmerksamkeit: Ein Schild erläutert, dass diese Arbeit von einem Menschen stammt, der an vielen Orten lebte. Im Text wird die Brücke zu Pilgern geschlagen, die vielleicht suchen, vielleicht aber auch nur ihre Heimat im Unterwegssein finden😊
Nun gleite ich durch einen kurvigen, grünen Tunnel. Steinige Stolperfallen und ausgesetzte Stellen binden Konzentration. Zahllose Tuffsteinfelsen, über den Weg ragende,Baumruinen, ein schwarzes Eichhörchen buhlen um Aufmerksamkeit. Plötzlich nehme ich alles übertrieben detailreich wahr. Entrückt frage ich mich: Können Wege hypnotisieren?😵💫
Ich erreiche die Domäne Falkenstein mit der alten Burg. Ein besonderer Ort, nicht nur wegen der unfassbaren Aussicht ins Eselsburgertal.
Ich spüre, dass das Frühstück lecker, aber knapp war. Zeit nachzulegen. Aber nicht in der Nähe der Autobahn, die ich gerade überquere, nehme ich mir vor. Und ignoriere diesen Vorsatz wenig später: Erstmals auf einer Wanderung kehre ich in einer Autobahnraststätte(!) ein🙃 Und esse dort besser und günstiger als vermutet🙂
Später erkunde ich die Charlottenhöhle bei einer tollen Führung. In der zugehörigen Gastronomie esse ich zu Abend. Turbulent mit vielen Ausflüglern. Das Gelände leert sich, ich bleibe, denn ich darf hier zelten😊 Sogar eine Dusche gibt es🤩 Nach 2,5 Tagen ohne freue ich mich auf einen sauberen Abend🙂 Und mir fällt ein, dass ich heute nur morgendlichen Restkuchen hatte🫢 Ein kleines Wunder behebt nun auch diesen Faux Pas, es gibt Zwetschgenkuchen. 2 Stücke🍰🍰
Tag 5 – Von Giengen-Hürben nach Sontheim (17 km, 200 HM+-):
Immer in Bewegung bleiben! Früh schäle ich mich aus dem Zelt, gönne mir eine Dusche und pflege meine Ausrüstung. Breche erst auf, als die Tagesgäste Trubel an der Charlottenhöhle verbreiten. Wieder folge ich dem Albschäferweg über schattige Waldwege und -pfade. Die Wegbeschilderung überrascht mich mit „Gebrauchsanweisungen“ (siehe Foto im Gliederungspunkt „Wegeeignung“😉).
Im schönen Lontal verlockt mich eine Bank mit Aussicht zur Pause. Nach einer Weile des gepflegten Sinnierens, nähert sich mir ein älterer Herr. Über einen Single-Trail, mit Gehhilfen😯 Er setzt sich zu mir, auch sein Hund Chico nimmt Platz🙂 Wir tauschen uns über die Umgebung aus und über das Wandern. Er ist 87, mit der 4. künstlichen Hüfte unterwegs. „Das Wichtigste ist: Immer in Bewegung bleiben!“
Ich durchquere ein hübsches Dorf, das in der Mittagshitze Siesta hält. Weiter geht es durch den Sparenwald, einem Mischwald mit einigen mächtigen Laubbäumen. Hier ist ein Gassi-Hotspot, was sich nicht nur durch die Schönheit des Waldes erklärt, sondern auch durch einen Wanderparkplatz am Waldrand. Dort erliege ich erneut dem Charme einer schattigen Bank😉
Weiter geht es nach Sontheim: Ich erkunde den Ort, bestaune das Schloss, erledige Einkäufe, kehre ein.
Wo schlafe ich, wenn es keinen Campingplatz gibt? Eine Antwort: Auf Grundstücken von Menschen wie Holger aus Sontheim🙂 Selbst Zeltwanderer, bietet er anderen Wanderern einen Zeltplatz. Eher Glampingplatz: Outdoordusche, Trockentrenntoilette, Steckdose, Trinkwasser, Tisch, Stühle uvm😇 Vielen Dank, Holger🙏 Weiterer Zeltgast ist ein sehr junger Mann, der von seinem Vater (Zürich) zu seiner Mutter (Berlin) radelt. Trotz des Altersunterschieds führen wir sehr gute Gespräch: Reisende unter sich🙂 Dritter im Bunde: Ein Igel🤩 PS: Wenn du selbst einen solchen Platz suchst, schau mal bei 1nitetent .com. Ach so: Sorry, heute kein Kuchen🫢
Tag 6 – Von Sontheim nach Staufen (25 km, 530 HM+, 400 HM-):
Viel Licht, wenig Schatten! Schnell noch einmal die Glamping-Infrastruktur genutzt – die Outdoordusche ist der Hit! – dann starte ich. Passiere noch einmal das Schloss in Brenz, weiter geht es entlang der Brenz. Ohne Schatten🌞 Weiter geht es bergauf und bergab durch eine tolle Landschaft: Wiesenpfade, Heideflächen, Magerrasen, Hügel und Täler wechseln sich ab. Ohne Schatten🌞 Dafür mit tollen Aussichten und auch der Blick auf die Vegetation am Boden lohnt🌺 Ich passiere die Ruine der Gussenburg, der Abstieg von dort führt endlich durch ein kurzes, schattiges Waldstück🌲🌳
Nach 11 km erreiche ich Giengen. Ich erkunde die Innenstadt, dann zieht es mich magisch in den Schatten… einer Bäckerei😁 Bescheiden wie ich bin, entscheide ich mich für eine halbe(!) Banane. Diese wurde in der Backstube „geringfügig“ optimiert🍰 Das Teil ist so mächtig, das ich keinen zweiten Kuchen schaffe🫢 Schnell noch Wasservorräte aufgefüllt, ich ziehe weiter. Im Pilgerwagen knistert wieder eine Papiertüte😉
Schnell verlasse ich die Stadt, die Warnung der Pilgerwagennomadin im Ohr: „Aus Giengen kommen die berühmten Steiff-Teddies! Mit deinen zotteligen Haaren verwechseln die dich und stecken dich ins @Steiff-Museum!“😉
Vorbei am Freibad (Warum liege ich nicht dort?🤔) geht es weiter durch die schöne Landschaft, heute behindern selten schattenspendende Bäume die Sicht🌞😉 In Staufen kehre ich in einem Schloss zum Essen ein, mein Outfit und Pflegezustand sind nicht ganz auf Schlossniveau, man verwöhnt mich dennoch freundlich🥗🍽🍺
So wie ich gestern über meinen Zeltplatz berichten durfte, so bittet mein heutiger Gastgeber um Verschwiegenheit. Ich zelte ohne jede Infrastruktur, aber sehr ruhig. Das tut gut, nach einem langen Tag, mit viel Licht und wenig Schatten😴
Tag 7 – Von Staufen nach Auernheim (31 km, 780 HM+, 720 HM-):
Volles Programm! Deshalb breche ich besonders früh auf. Und bin sogar etwas zu früh im Wald: Keine 40 Meter von mir entfernt trottet ein Wildschwein durch den Wald🫢 Wenig später begegnen mir erste Tageswaldbewohner: Nordic-Walker und Gassigänger😉
Die Papiertüte knistert und gibt ein Nusshörnchen preis. Ich esse im Gehen, ein kompaktes, aber gehaltvolles Frühstück🍰 Und genieße es, endlich wieder im schattigen Wald unterwegs zu sein. Teilweise geht es über so wilde Single-Trails, dass Dschungel-Feeling aufkommt: Wander-Genuss vom Feinsten😊 Ich erreiche einen Bach, Bänke am Ufer. Eine gute Gelegenheit, mich etwas frisch zu machen. Eine Gassigängerin mit Hund kommt hinzu, der Hund entscheidet sich sogar für ein Vollbad. Sein anschließendes Schütteln wirkt eleganter und effektiver als mein kümmerlicher Versuch, es ihm gleichzutun😉
Ich passiere den Härtsfeldsee, auch hier verzichte ich aufs Vollbad. Denn mich zieht es zur Burg Katzenstein, die ich pünktlich zur Führung erreiche. Nach dem Kultur- folgt der Kuchengenuss🍰
Über sonnige Wiesenpfade, schattige Waldwege und auch fordernde Trails geht es zum nächsten Highlight: Kloster Neresheim. Schon vom Weiten beeindrucken die Gebäude, in der Abteikirche staune ich ehrfürchtig über die barocke Pracht😮
Unten im Tal stocke ich meine Vorräte auf. Ja, auch in knisternden Papiertüten für morgen🥧😉 Und wo ich einmal da bin, kehre ich auch ein🍽🍺
Feierabend? Noch lange nicht! Vor der Schlafsackruhe warten noch einige Wanderkilometer mit 200 Höhenmetern, die mir mit vollem Bauch besonders leicht fallen😉 Als das Zelt endlich steht, fallen mir umgehend die Augen zu. Denn ich hatte wirklich ein volles Programm😴
Tag 8 – Von Auernheim nach Heidenheim (25 km, 450 HM+, 560 HM-):
Schlussspurt und Beginn des Bonus: Papiertüten knistern: Laugengebäck-Frühstück🥨 Heute werde ich den Albschäferweg beenden. Die typische Tour-Ende-Ambivalenz stellt sich ein: Freude, es geschafft zu haben. Erleichterung, dass die Strapazen enden. Melancholisches Bedauern, dass mein Pilgerwagennomaden-Leben dem Alltag weichen wird. Diesmal gepaart mit der Vorfreude auf meinen „Bonus“. Und auf die Pilgerwagennomadin❤️
Ich genieße noch einmal abwechslungsreiche Wege und tolle Aussichten. Pausiere bei einer solchen, um mir die Zähne zu putzen: Blick ins Tal statt in den Spiegel😉 Mache einen Abstecher zur Ramensteinhöhle, mit Stirnlampe traue ich mich hinein😱 Kurz vor Heidenheim brauche ich eine Auszeit, um mich auf den städtischen Trubel vorzubereiten.
Aber Heidenheim empfängt mich ruhig. Entspannt geht es entlang der Brenz und durch den schönen Brenzpark. Ich erkunde die Innenstadt, über der das beeindruckende Schloss Hellenstein thront. Ich erreiche den Punkt, an dem ich meine Wanderung vor 8 Tagen gestartet habe. Freude, Zufriedenheit und etwas Wehmut stellen sich ein. Nach einem Stück Finisherkuchen verschwindet die Wehmut fast, nach dem zweiten Stück ganz🍰🍰😁
Nahtlos beginne ich den Bonus: Fahre mit dem Zug nach Ulm. Wandere zur Donau, wo ich auf dem Gelände eines Kanuclubs zelten darf🙂 Bevor ich das Zelt aufbaue, gibt es ein Finisherbier🍺 Denn ein Biergarten grenzt direkt an die Zeltwiese. Endlich wieder duschen zu können, erzeugt tiefe Glücksgefühle😊 Bei mir und meiner Umgebung😉 Diese reduzieren sich, weil mal wieder ein Getränk in der Tasche ausgelaufen ist und alles durchtränkt hat🤬 Zum Glück nur eine Cola light… Egal: Morgen erkunde ich Ulm, nehme euch natürlich mit🙂 Heute erkunde ich nur noch den Zeltplatz. Und den Biergarten 🍽🍺😴
Tag 9 – Tourerweiterung mit Stadtbesichtigung Ulm (6 km):
In Ulm und um Ulm und um Ulm herum. Ein letztes Mal auf dieser Tour Ausrüstung verstauen. Ich komme mit anderen Zeltenden ins Gespräch, alles Radreisende. Ein Herr im Rentenalter beradelt Deutschland. Sein großer Traum: Zu Fuß aus seiner neuen Heimat (Niederlande) in seine alte Heimat (Serbien). Er fragt nach der Bezugsquelle meines Anhängers. Er hat erkennbar gesundheitliche Probleme, wir schauen uns in die Augen. Ich bin sicher, er wird den Versuch wagen!
Ich genieße Ulm. Das alte Fischerviertel, das von Flussarmen der Blau durchflossen wird. Die alten Grabenhäuser auf der Stadtmauer, von den Bewohnern reich mit blühenden Pflanzen dekoriert, eine Oase der Ruhe. Die quirlige Innenstadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Natürlich lasse ich auch das Ulmer Münster nicht aus.
Beim Frühstück (🍰🥨😉) vor dem beeindruckenden Rathaus tausche ich mich mit einer älteren Einheimischen aus. Als sie erkennt, dass ich Tourist bin, spricht sie langsamer und hochdeutscher, so dass wir uns auch ohne Dolmetscher verstehen😁
Ich setze mein Sightseeing mit der Uhr im Blick fort. Denn mein Zug wartet nicht und meine Pilgerwagennomadin möchte ich nicht warten lassen. Und so endet meine Tour am Ulmer Bahnhof, ein „Ulmer Spatz“ begleitet mich.















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